Die Nutzung von Fernwärme soll im Zuge der „Wärmewende” stark ausgebaut werden. Für Gebäudeeigentümer in München stellt sich die Frage, ob Fernwärme eine sinnvolle Alternative zu herkömmlichen Heizungsanlagen darstellt. In diesem Artikel zeigen wir auf, welche Punkte bei der Nutzung von Fernwärme beachtet werden sollten.
Fernwärme wird in zentralen Erzeugungsanlagen produziert und in gut isolierten Rohrleitungen zu den Verbrauchern transportiert. Die Art der Erzeugungsanlagen, die eingesetzten Energieträger, die Struktur des Netzes und die Kosten für die Fernwärme können sich je nach Region und Versorger stark unterscheiden. Die angeschlossenen Verbraucher haben darauf in der Regel keinen Einfluss. Der Fernwärmeversorger hat in den meisten Fällen ein Gebietsmonopol, d. h. es gibt in jedem Versorgungsgebiet nur einen Anbieter, der die Versorgung übernimmt und die Preise und Konditionen festlegt. Ein Wechsel des Anbieters, wie beispielsweise bei Strom- oder Erdgaslieferanten, ist bei Fernwärme in der Regel nicht möglich.
Zusätzlich können Gemeinden einen Anschluss- und Benutzungszwang für Fernwärme erlassen, wenn dies dem Klima- oder Ressourcenschutz dient (§109 GEG). Das bedeutet: Hausbesitzer sind dann verpflichtet, sich an das Fernwärmenetz anzuschließen und können nicht frei zwischen verschiedenen Heizsystemen wählen.
Fernwärme in München
In München wird der größte Teil der Fernwärme aktuell aus dem fossilen Energieträger Erdgas erzeugt. Außerdem werden größere Wärmemengen aus Geothermie, Biomasse und Müll erzeugt. Zukünftig ist geplant, die CO2-Emissionen bei der Fernwärmeerzeugung zu reduzieren und deshalb vermehrt Geothermie und Umgebungswärme einzusetzen. Die folgende Graphik (Abb. 1) zeigt den sogenannten Transformationsplan des aktuellen Erzeugungsmixes im Jahr 2025 hin zur CO2-neutralen Fernwärmeerzeugung in 2045. Auf der vertikalen Achse ist die prognostizierte Entwicklung des Fernwärmebedarfes in TWh aufgetragen. Die Graphik zeigt, dass sich die benötigte Wärmemenge durch den weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes bis 2045 um ca. 30% erhöht. Gleichzeitig soll im großen Stile Erdgas durch Geothermie und Großwärmepumpen ersetzt werden.
Parallel wird das Netz weiter ausgebaut, von derzeit 1.000 km auf 1.600 km bis 2045. Der aktuelle Stand der Wärmeplanung ist unter https://geoportal.muenchen.de/portal/waermeplan/ einsehbar.
Der Transformationsprozess der Fernwärmeerzeugung und der weitere Netzausbau verursachen hohe Kosten. Die SWM schätzen den Investitionsbedarf auf ca. 9,5 Mrd. Euro. Ein großer Teil dieser Kosten soll über die Förderprogramme des Bundes finanziert werden.
Ob dieser große Investitionsbedarf in Zukunft zu höheren Fernwärmepreisen führt oder der Fernwärmepreis durch die gleichzeitige weitere Erschließung von neuen Kunden mittel- bis langfristig sogar fällt, ist schwer vorherzusagen.
Bepreisung von Fernwärme in München
Aktuell setzt sich der Preis für Fernwärme in München aus zwei Komponenten zusammen. Der Grundpreis pro Kilowatt Anschlussleistung deckt die fixen Kosten für Bereitstellung, Wartung und Investitionen in die Infrastruktur ab. Er ist abhängig von der vertraglich festgelegten Anschlussleistung. Diese Leistung sollte der tatsächlichen Heizlast des Gebäudes plus des Bedarfs für die Warmwasserbereitung entsprechen, um Kosten zu sparen (siehe INFOBOX 1).
Der Arbeitspreis (Euro/MWh) basiert auf dem tatsächlichen Fernwärmeverbrauch des Abnehmers und deckt die variablen Kosten des Versorgers für Wärmeerzeugung und -verteilung. Beide Preiskomponenten werden quartalsweise über Preisformeln angepasst, die verschiedene Kostenfaktoren wie Erdgas-, Strom- und CO₂-Preise berücksichtigen. Abbildung 2 zeigt die Entwicklung des Grund- und Arbeitspreises in den letzten Jahren.
Rechenbeispiel: Ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh Jahresverbrauch zahlt bei den aktuellen Münchner Tarifen (Stand Juli 2025):
Bei korrekter Auslegung (10 kW Anschlussleistung):
- Grundpreis: 10 kW × 55,05 €/kW = 550,50 € pro Jahr
- Arbeitspreis: 20 MWh × 134,93 €/MWh = 2.698,60 € pro Jahr
- Gesamtkosten: 3.249,10 € pro Jahr
Bei Überdimensionierung (20 kW Anschlussleistung):
- Grundpreis: 20 kW × 55,05 €/kW = 1.101,00 € pro Jahr
- Arbeitspreis: 20 MWh × 134,93 €/MWh = 2.698,60 € pro Jahr
- Gesamtkosten: 3.799,60 € pro Jahr
Mehrkosten durch falsche Auslegung: 550,50 € jährlich – das summiert sich über 20 Jahre auf über 11.000 Euro zusätzliche Kosten!
Bemerkenswert ist der deutliche Anstieg des Arbeitspreises während der durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Energiepreiskrise in den Jahren 2022 und 2023. Dieser Anstieg ist damit zu begründen, dass in der Preisformel der SWM der Einfluss des Erdgaspreises auf den Fernwärmepreis 56% beträgt und der Erdgaspreis in diesem Zeitraum stark gestiegen ist.
INFOBOX 1
Kosten sparen durch genaue Berechnungen
Die Grundgebühren für Fernwärme steigen proportional zur Anschlussleistung – deshalb sollte diese präzise dimensioniert sein. Die Anschlussleistung errechnet sich aus der Heizlast des Gebäudes plus des Anteils für die Warmwasserbereitung. Trotzdem werden Fernwärme-anschlüsse häufig überdimensioniert, da Versorger die erforderliche Heizlast nicht explizit berechnen, sondern lediglich grob aus Verbrauchswerten ableiten.
Das Resultat: Viele Hausbesitzer zahlen Monat für Monat überhöhte Grundgebühren. Dabei haben Fernwärme-Kunden einen Rechtsanspruch auf Leistungsreduzierung, sofern eine normgerechte Heizlastberechnung nach DIN EN 12831-1 belegt, dass der tatsächliche Bedarf unter dem angenommenen Wert liegt. Besonders nach energetischen Sanierungen der Gebäudehülle – etwa durch neue Fenster, Dämmung oder Dachsanierung – sinkt der Wärmebedarf erheblich. Eine entsprechende Anpassung der Anschlussleistung ist dann nicht nur sinnvoll, sondern wirtschaftlich geboten.
Preisvergleich mit anderen Energieträgern
Interessant ist der Vergleich des Fernwärmepreises mit den Preisen für andere Energieträger. Verglichen werden hierbei die spezifischen Gesamtkosten für Fernwärme, die Grund- und Arbeitspreis beinhalten. Abbildung 3 zeigt den Preisvergleich der für die Gebäudeheizung häufig eingesetzten Energieträger Erdgas, Heizöl, Fernwärme und Holzpellets
Der Vergleich der spezifischen Energiekosten zeigt, dass Fernwärme im Vergleich zu anderen Alternativen der teuerste Energieträger ist, gefolgt von Erdgas, Heizöl und Holzpellets. Bei diesem Vergleich werden jedoch nicht die zahlreichen weiteren Vorteile von Fernwärme berücksichtigt, die in den Kosten nicht direkt abgebildet werden. Folgende Punkte können unabhängig von den Energiekosten für eine Umstellung auf Fernwärme sprechen:
- Die Investitionskosten für die Umstellung auf Fernwärme sind im Vergleich zu anderen GEG-konformen Technologien (Wärmepumpe, Biomasseheizung, etc.) meist niedriger.
- Kosten für regelmäßige Prüfungen und Kontrollen, wie die jährliche Inspektion von Heizkesseln durch den Kaminkehrer oder die Wartung des Kessels, entfallen.
- Die Übergabestation ist wartungsarm und platzsparend. Brennstofflager und Kamin entfallen.
- Durch die Umstellung auf Fernwärme reduzieren sich der Primärenergieverbrauch und die CO2-Emissionen für die Gebäudeheizung im Vergleich zu einer Gas- oder Ölheizung. Die Werte im Energieausweis verbessern sich dadurch deutlich. Wichtig: Die Umweltwerte von Fernwärme verbessern sich durch den zunehmenden Anteil erneuerbarer Energien automatisch weiter. Nach Abschluss des Transformationsprozesses wird Fernwärme in München nahezu klimaneutral sein, ohne dass sich Gebäudeeigentümer darum kümmern müssen.
- Fernwärme verursacht keine lokalen Emissionen wie beispielsweise Holz-, Erdgas- oder Ölheizungen und trägt dadurch zur Verbesserung der Luftqualität in Ballungsräumen bei.
- Bei vermieteten Gebäuden oder Wohnungen kann der Vermieter die Kosten für Fernwärme einfach und unkompliziert auf die Mieter umlegen.
- Bei Baudenkmalen oder großen Mehrfamilienhäusern sind andere CO2-arme Technologien, wie zum Beispiel Wärmepumpen, technisch schwer umzusetzen.
- Die Umstellung auf Fernwärme wird über die Bundesförderung für effiziente Gebäude und ggf. zusätzlich über kommunale Förderprogramme, wie in München das Förderprogramm für klimaneutrale Gebäude (FKG), gefördert. (Förderung von Fernwärmeanschlüssen siehe INFOBOX 2)
INFOBOX 2
Förderung von Fernwärmeanschlüssen
Die Errichtung oder Erneuerung von Anschlüssen an ein Fernwärmenetz wird durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG-EM) gefördert. Die Grundförderung beträgt 30% der förderfähigen Kosten. Selbstnutzende Eigentümer erhalten einen zusätzlichen Bonus in Höhe von 20%, wenn durch Fernwärme eine alte Erdgas- oder Ölheizung ersetzt wird. Werden die Kriterien für diesen Bonus nicht erfüllt, weil das Gebäude zum Beispiel vermietet ist, gibt es in München unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer zusätzlichen Förderung in Höhe von 15% durch das kommunale Förderprogramm für klimaneutrale Gebäude (FKG).
Die Entscheidung, die Wärmeversorgung eines Gebäudes auf Fernwärme umzustellen, sollte auf der Grundlage einer ganzheitlichen Betrachtung erfolgen. Trotz höherer spezifischer Wärmekosten kann es aus verschiedenen Gründen sinnvoll sein, auf Fernwärme umzustellen. Bei einer Umstellung sollten allerdings folgende Punkte beachtet werden:
- Die beantragte Anschlussleistung ans Fernwärmenetz sollte mittels einer Heizlastberechnung genau ermittelt werden. Der Anschluss sollte nicht überdimensioniert oder mit einem unnötig großen Leistungsaufschlag ausgeführt werden, um einen dauerhaft hohen Grundpreis zu vermeiden.
- Für das gesamte Heizungssystem ist ein hydraulischer Abgleich durchzuführen, um die Effizienz der Heizung zu erhöhen und dadurch die Heizkosten zu reduzieren.
- Die möglichen Fördermittel durch die Bundesförderung und eventuelle kommunale Förderprogramme sollten optimal genutzt werden, um die Kosten für die Umstellung für den Gebäudeeigentümer zu reduzieren. Auch hierfür ist die Durchführung des hydraulischen Abgleichs unabdingbar.
Nach energetischen Sanierungsmaßnahmen wie Fenstertausch, Wärmedämmung oder Dachsanierung sollten Hausbesitzer mit Fernwärmeanschluss zwingend ihre Anschlussleistung reduzieren lassen – nur so bleibt die Investition wirtschaftlich.
Bei Fragen zur Umstellung auf Fernwärme stehen wir Ihnen gerne zur Seite.
Die Energie-Spezialisten GmbH verfügt über langjährige Erfahrung in diesem Bereich und begleitet Sie von der Heizlastberechnung über die Fördermittelbeantragung bis hin zur Umsetzung. So stellen wir sicher, dass Sie für Ihr Gebäude eine wirtschaftlich und technisch optimale Lösung erhalten.
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